Kindheit als online Dokumentation

Kindheit ErdnussFrosch.com

Gedanken über das Aufwachsen in der Öffentlichkeit der digitalen Welt

 

Derzeit wird man in fast allen Lebenslagen mit Datenschutzrichtlinien konfrontiert, man muss ständig unzählige Zettel ausfüllen, unterschreiben und Einverständniserklärungen im Netz anklicken. Da frage ich mich ernsthaft wo da die Nachhaltigkeit und der Umweltschutz bleiben, bei so viel Papierkram. Es gibt ja nicht nur das Formular, nein du bekommst ja auch noch einen Infozettel dazu und eine Kopie für deine Unterlagen. Verrückt. Aber das ist eine andere Geschichte. Vielleicht schreibe ich dazu nochmal an anderer Stelle. Hier geht es jetzt erstmal um etwas anderes.

Über den Schutz von Daten und der Privatsphäre im Internet wird vielerorts berichtet und doch habe ich das Gefühl, es ist in den Köpfen noch nicht so ganz angekommen. Ich will dir hier erzählen warum ich meinen Blog so lange nicht gestartet habe und wie ich meinen persönlichen Weg gefunden habe mit dem Thema umzugehen.

Bevor ich diesen Blog begonnen habe quälte mich eine entscheidende Frage: „Anonym oder öffentlich?“ Wofür soll ich mich entscheiden? Zeige ich die Gesichter meiner Kinder, meiner Familie – mein eigenes? Ich will einen persönlichen Blog schreiben, der das echte Leben wiederspiegelt. Wie kann ich das, wenn ich nicht sage wer ich bin? Ich weiß nicht wie es dir dabei geht, aber ich sehne mich nach ein wenig Normalität in einer Zeit von digitalem Perfektionismus.

Wie viel Datenschutz und Privatsphäre gestehen wir Mütter unseren Kindern zu?

Zumindest eine der Fragen, die ich mir stelle, nimmt mir die Impressum Pflicht ab. Meine Daten muss ich online angeben. So. Und jetzt? Wie kann ich da noch meine Kinder mit dem Mantel der Anonymität schützen? Und die ganz entscheidende Frage für mich ist: Wovor soll ich sie denn überhaupt Schützen?

Wer mich kennt, zumindest persönlich, kennt meine Kinder. Ist ja auch gut so. Oder doch nicht? Wenn ich mit meinen Kindern einen Ausflug mache, verhülle ich sie? Nein. Es kommt durchaus das eine oder andere Mal vor, dass der Frosch oder die Erdnuss sich nicht ganz so benehmen wie es, sagen wir mal, für den Moment passend wäre. Was soll ich sagen? Es sind halt Kinder. Binnen Sekunden bilden sich alle Anwesenden aber eine Meinung. Über mich als schlechte Mutter. Über meine so schrecklich schlecht erzogenen Kinder und alle sehen ganz genau hin. Kann ich dann auch online die Gesichter der Kinder zeigen und brauche auch keine Synonyme für die Namen, wie Wölkchen oder Kind 1? Im realen Leben ist vieles anders. So ist man anonymer, obwohl man gesehen wird. Es wird schnell vergessen, man kann nicht einfach mal so zurückblättern und auch der Name steht nicht dran ;). Das World Wide Web hingegen, so wird es uns immer wieder gesagt, vergisst nie!

Ist vergessen wirklich etwas Gutes?

Einige Menschen können sich ganz lebhaft an ihre Kindheit erinnern und andere wiederum so gut wie gar nicht. Von früheren Generationen existieren kaum Fotos aus Kindertagen. Hier mal eines an Weihnachten und ein anderes vom ersten Schultag. Die Babys und Kinder der heutigen Zeit werden nahezu täglich fotografiert. Nicht nur Bedeutendes sondern vor allem Alltägliches wird bildlich festgehalten.
Die Gründe diese Fotos zu veröffentlichen sind so vielseitig und individuell, dass ich darauf hier gar nicht näher eingehen möchte. Ich will vielmehr aufzeigen, dass sich die Welt in der wir leben weiterentwickelt und verändert und wir uns mit ihr. Ich frage dich: „Ist vergessen wirklich eine gute Sache?“

90 Prozent der Unter-Zweijährigen sind im Netz präsent. *

Das ist mal eine Zahl oder? Mittlerweile werden täglich hunderttausende Fotos und Videos von Kindern und Enkelkindern in sozialen Medien gepostet. Ich bin mir nicht sicher, ob da vorher auch immer überlegt wird, was da gerade gepostet wird und welche Tragweite das haben kann.
Wo zieht man die Grenze und wer trifft diese Entscheidungen?
Stolze Väter zeigen was der Nachwuchs neues gelernt hat, auch wenn es sich dabei um erste Erfahrungen mit der Toilette handelt. Glückliche Omas posten ein gemeinsames Foto aus dem Pool und denken sich nichts schlechtes über ein wenig nackte Haut. Die Gründe warum wir Fotos veröffentlichen sind vielseitig. Und versteh mich bitte nicht falsch. Ich beurteile hier niemanden. Wir alle treffen jeden Tag Entscheidungen. Für uns, unsere Familien und unsere Kinder. Aber wir sollten uns dabei eine Frage stellen:

Schützen wir unsere Kinder ausreichend in der digitalen Welt?

Sind unsere Kinder älter, dann klären wir sie darüber auf keine privaten Dinge preis zu geben und vorsichtig zu sein im Umgang mit den – eigentlich gar nicht mehr so neuen Medien. Ich frage mich, welches Vorbild sind wir da? Vor allem, wenn wir bis dahin schon ihr halbes Leben online dokumentiert haben…

ErdnussFrosch.com

Wir tauschen uns aus

Wie ein ganz altes Sprichwort sagt, braucht man für die Erziehung eines Kindes ein ganzes Dorf. Und was haben wir? Alleinerziehende Mütter, Väter die nur am Wochenende nach Hause kommen. Omas die hunderte Kilometer entfernt wohnen. Ganztagsbetreuung bereits vor dem Kindergarten und, wenn wir mal ganz ehrlich sind wenige Freunde. Mal abgesehen von den 726 auf Facebook 😉

Wir suchen also das Dorf, um über angepinkelte Hosen, vollgekotzte T-Shirts, Ausschläge und andere eigentlich sehr private Dinge zu sprechen. Wir sollten dabei nur nicht vergessen, wir sprechen nicht über uns. Wir veröffentlichen privates, persönliches – über unsere eigenen Kinder.

Ich finde, da sollte man sich schon mal einen Moment Zeit nehmen, nachdenken und bewusst entscheiden wie man mit diesem sensiblen Thema umgehen will.

Du bist heute das, was du bist, aufgrund der Entscheidungen, die du gestern getroffen hast. **

Wir entscheiden uns. Jeden Tag. Unzählige male und manchmal sogar unbewusst. Es ist unsere Aufgabe als Mutter, für unsere Kinder zu entscheiden. Ich habe mir lange Gedanken über all das gemacht. Ob es richtig ist was ich tue?
Ich habe keine Ahnung! Aber ich habe mich entschieden.

Bevor ich ein Foto veröffentliche, stelle ich mir selbst einige Fragen. Das kann auch dir helfen eine Entscheidung für dich und deine eigenen Kinder zu treffen, falls du das nicht schon getan hast.

  • Würde ich mein Kind so wie es auf dem Bild zu sehen ist auch in Restaurants, am Spielplatz oder beim Einkaufen sehen wollen?
  • Würde ich die Geschichte in der gleichen Art und Weise von Angesicht zu Angesicht erzählen?
  • Wäre es für mich selbst in Ordnung, wenn es ein solches Bild aus meiner Kindheit öffentlich sichtbar geben würde?

Ob, und vor allem inwieweit diese Entscheidung nun wirklich Schutz bietet, kann ich nicht sagen. Natürlich wird es den einen oder anderen geben, der uns kennt oder erkennt. Wer wirklich Interesse daran hat, wird wohl auch in der Lage sein mehr herauszufinden. Ich habe mich entschieden die Privatsphäre meiner Kinder in dem von mir gewählten Rahmen und so gut es eben geht zu wahren und dennoch diesen Blog über unser Leben zu schreiben.
Ich lasse dich daran teilhaben und hoffe du magst was du liest ;). Offen und ehrlich – aber ohne die Gesichter meiner Kinder vollständig zu zeigen.

 

Wie gehst du mit diesem Thema um? Zeigst du deine Kinder online oder nicht?Ich freue mich auf deine Sicht der Dinge.

 

 

Verfasst von

Beim ErdnussFrosch geht es um meine Familie, meinen Alltag, darum was wir gemeinsam erleben, was uns aufregt und was uns inspiriert. Ich will dir einen ehrlichen Einblick in unseren Alltag ermöglichen. Der Blog ist seit November 2018 online und ich wünsche mir, dass du ihn gerne liest, Spaß hast und regelmäßig rein schaust. Begleite mich und meine Familie ein Stück auf dem Weg. Wohin? Mal sehen…

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